Bericht: Gemeinsame Alumni-Veranstaltung


Gemeinsame Alumni-Veranstaltung des ClubForum mit dem Deutsch-Russischen Forum und der Russischen Botschaft in Berlin.

 

FullSizeRender

Quelle: G. Schmitter

 

70 Jahre Frieden zwischen Russland und Deutschland –

ein politischer Ausblick

Das Deutsch-Russische Forum e.V. veranstaltete mit freundlicher Unterstützung der Russischen Botschaft in Berlin ein exklusives Gespräch mit und für Absolventen der Young Leader Seminare und Vertreter der russischen Botschaft, zuvorderst S.E. Wladimir Grinin, Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland.

Im Spiegelsaal fand am 18. Mai dieses Jahres ein exklusives Gespräch zum Thema „70 Jahre Frieden zwischen Russland und Deutschland – ein politischer Ausblick“ in der Botschaft der Russischen Föderation statt. Die Diskussionsrunde bestand dabei aus Martin Hoffmann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Deutsch-Russisches Forum e.V., Daniil Bisslinger, Attaché, Abteilung Außenpolitik, Botschaft der Russischen Föderation, und  Andrej Gross, Young-Leader Alumnus, Mitglied im Deutsch-Russischen Forum e.V. Moderatorin war Corinna Kuhr-Korolev, Osteuropa-Historikerin.

Einleitende Worte kamen von Botschafter Wladimir Grinin. Er stellte die Bedeutung des 9. Mais für beide Seiten heraus und lobte auch die Sichtweise Deutschlands, das Datum als Tag der Befreiung anzusehen statt als Niederlage. Ein besonderes Anliegen war es ihm auch, die Rolle der Jugendlichen anzuerkennen, die das Gedenken weitertragen. In diesem Sinne ist 2016 als Jahr des Jugendaustausches geplant, um die Verständigung beider Länder auch zukünftig zu fördern.

Die erste Frage an die Diskussionsrunde betraf die Verständigung zwischen Deutschen und Russen in der Krise. Hier wurde von Daniil Bisslinger betont, dass man sich bei allen Unterschieden in den Interpretationen der Ereignisse, die vor allem im Hinblick auf den Ukraine-Konflikt existieren, doch im Gedenken an den Krieg einig ist. Nach Egon Bahr rief er dazu auf, die Position des anderen zu respektieren, wenn man sie nicht akzeptieren kann, denn nur so kann man einen konstruktiven Dialog führen.

Als nächstes war Martin Hoffmann an der Reihe, der sich erfreut darüber zeigte, dass der 70. Jahrestag des Kriegsendes keine höhere Politisierung auf der deutschen Seite nach sich zog. Im Gegenteil zeigte er sich überrascht über die Menge an Besuchern vor allem am Kriegsdenkmal im Treptower Park in Berlin, bemerkte aber auch, dass das Gedenken an den Krieg bei deutschen Jugendlichen bei weitem nicht so ausgeprägt sei wie bei ihren russischen Altersgenossen.

Andrej Gross, der kürzlich in Moskau verweilte, legte die russische Sicht auf das Kriegsende dar. Er sei ein traditioneller Feiertag, der durch seine Symbolik (wie das allgegenwärtige Georgsband) die Menschen auch in für Russland schwierigen Zeiten daran erinnert, dass auch ihnen der Sieg über den Nationalsozialismus zu verdanken ist. Doch mittlerweile sei im Zusammenhang mit diesem Festtag auch eine immer stärker werdende Positionierung Russlands gegen die USA und die Ukraine festzustellen.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde unter anderem die unterschiedliche Wirkung der Militärparade auf dem Roten Platz diskutiert. Es wurde zu bedenken gegeben, dass Europäer dies als einen Akt der aggressiven Zurschaustellung militärischer Macht ansehen können, es aber für Russen allein die Wehrbereitschaft vermittele, um einen Krieg wie vor 70 Jahren, in dem 27 Millionen Sowjetbürger ihr Leben ließen, nicht wieder entstehen zu lassen.

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Verbrechen des Stalinismus wurde die Arbeit der NGO Memorial hervorgehoben. Es gab aber auch kritische Stimmen, die eine Aufarbeitung aller Verbrechen in weiter Ferne sehen. Ein Großteil der Kommentatoren war sich aber einig darin, dass der Dialog davon nicht betroffen sein darf, auch wenn es unterschiedliche Auslegungen gibt, sondern umso intensiver fortgeführt werden muss. Wie gelingt dies? Eine Anregung war, neben den „heißen Eisen“ neue bzw. andere gemeinsame Themen wie die demografische Entwicklung in beiden Ländern auf die Agenda zu nehmen.

Florian Grauberger, Deutsch-Russisches Forum e.V.

Hinterlasse einen Kommentar